Die Psychologie von Trinkgeld – Taxiedition

Das Psychologieblog alltagsforschung.de hat kürzlich einen Artikel über die Psychologie von Trinkgeld verfasst. Der Artikel befasst sich damit, wie man in der Gastronomie das persönliche Trinkgeld steigern kann. Ich möchte hier versuchen, den Artikel auseinanderzureißen und aus Sicht eines Taxifahrers (Nachtjäger) neu zusammenzusetzen.

1. Tragen Sie etwas Ungewöhnliches:
Es lohnt sich, bei der Wahl des Kellneroutfits kreativ zu werden. Das zumindest resümierten die US-Forscher Jeri-Jayne Stillman und Wayne Hensley bereits im Jahr 1980. Für ihre Studie ließen sie sechs Kellnerinnen in einem gehobenen Restaurant eine Blume im Haar tragen – das Trinkgeld stieg um 17 Prozent.

Herausstechen aus der Masse ist immer gut. Der gemeine Taxifahrer ist von Natur aus eher bieder gekleidet, denn der gemeine Fahrgast möchte natürlich einen seriös wirkenden Fahrer haben. Bei betrunkenen Jugendlichen lässt sich durch ein witziges Gimmick sicher der „Coolnessfaktor“ steigern, so dass das Trinkgeld vielleicht höher ausfallen kann. Ließe sich am Besten zum Fasching antesten. Ein Strohhut wäre hierfür sicher geeignet.

2. Stellen Sie sich mit Namen vor:
Ich weiß, in Deutschland ist das nicht unbedingt üblich – aber gegen ein bisschen Höflichkeit sollten doch auch die Restaurantgäste hierzulande nichts einzuwenden haben. Kellner jedenfalls können davon profitieren, sich den Gästen namentlich vorzustellen. Kimberly Garrity und Douglas Degelman gelangten zu dieser Erkenntnis durch ein Experiment im Jahr 1990. Wenn die Kellnerin ihren Gästen zu Beginn ihren Namen nannte, bekam sie fast zwei Dollar mehr Trinkgeld.

Das kann ich so schon bestätigen, leider entfällt mir sowas immer. Wenn ich jedoch gefragt werde wer ich bin, so gebe ich meinen Namen durchaus preis und oftmals klingelt es dann auch in der Kasse.

3. Hocken Sie sich neben den Tisch:
Die meisten Kellner stellen sich vor die Gäste, wenn sie die Bestellungen entgegen nehmen. Fatal, meinten zumindest Kirby Mynier und Michael Lynn von der Universität von Houston im Jahr 1993. In ihrem Experiment sollten ein Kellner und eine Kellnerin zwischen Hinstellen und Hinhocken wechseln – wenn sie mit den Gästen auf Augenhöhe waren, gab es im Schnitt etwa einen Dollar Trinkgeld mehr.

Im Taxi schwerlich umzusetzen, da man sowieso schon immer auf Augenhöhe ist. Sei es beim Tür aufhalten oder wenn man dann im Taxi nebeneinander sitzt.

4. Wiederholen Sie die Bestellungen:
Wer sein Gegenüber vorsichtig nachahmt, baut Sympathie auf – das funktioniert laut des niederländischen Psychologen Rick van Baaren auch im Restaurant. Für seine Studie im Jahr 2003 trug er Kellnern auf, die Bestellungen der Gäste laut zu wiederholen. Der Effekt war deutlich: Zum einen gab ein höherer Anteil der Gäste Trinkgeld, zum anderen stieg auch dessen Summe – um das Doppelte!

Mit Vorsicht zu genießen. Ein langsam Wiederholen der Adresse klingt eher so, als wüsste man nun gar nicht, wo sich diese Adresse befindet. Zum Einen kann das symphatisch machen, zum Anderen aber unprofessionell wirken. Also entweder Top oder Flop.

5. Lächeln Sie:
Wer als Kellner seine schlechte Laune offen zur Schau stellt, hat den Beruf verfehlt. Mehr noch: Lächelnde Kellner bekommen mehr Trinkgeld. Für ihr Experiment im Jahr 1978 warben Kathi Tidd und Joan Lockard Kellnerinnen in einer Cocktailbar an. Sie sollten die Gäste unterschiedlich breit anlächeln. Ergebnis: Wer mit geschlossenem Mund lächelte, bekam im Schnitt 20 Cent Trinkgeld. Wer beim Lächeln seine Zähne zeigte, erhielt durchschnittlich 48 Cent.

Kann man bedenkenlos aufs Taxigewerbe übertragen. Lächeln ist immer gut, egal in welchem (Trinkgeld-)beruf. Überhaupt sollte man immer mit einem Lächeln durchs Leben gehen.

6. Berühren Sie die Gäste:
Über die Macht der Berührungen habe ich vor kurzem bereits geschrieben – diese können sich auch Kellner zunutze machen. Zu diesem Schluss kamen April Crusco und Christopher Wetzel bereits im Jahr 1984. In einer Studie sollten Kellnerinnen ihren Gästen unterschiedlich gegenübertreten. Die einen berührten sie leicht an der Schulter, die anderen an der Hand, wieder andere fassten sie gar nicht an. Im letzteren Fall gaben die Gäste im Schnitt 12 Prozent Trinkgeld. Wurden Sie an der Schulter berührt, gaben sie 14 Prozent, bei einer Berührung an der Hand sogar 17 Prozent.

Siehe Punkt 5. Wer seine Fahrgäste einzeln per Handschlag begüßt baut eine gewisse Verbundenheit auf. Trinkgeld ist hier fast vorprogrammiert.

7. Sorgen Sie für Unterhaltung:
Auch dieser Tipp gilt eher nicht in Feinschmecker-Restaurants. Der französische Psychologe Nicolas Guéguen trug Kellnern in einem Experiment im Jahr 2006 auf, den Gästen nicht nur die Rechnung zu bringen – sondern gleichzeitig auch ein kleines Kärtchen mit einem Witz drauf. Ergebnis: Das Trinkgeld stieg um sieben Prozent.

Als Taxifahrer ist man ja eh auch ein Entertainer. Ein vorsichtiges Einklinken in vorhandene (witzige) Gespräche durch einen kleinen Schenkelklopfer macht immer symphatisch. Dutzendfach getestet.

8. Verteilen Sie Süßigkeiten:
Die Reziprozitätsregel besagt: Wenn wir etwas geschenkt bekommen, wollen wir uns mit einem Gegengeschenk revanchieren. Dieses Prinzip können auch Kellner ausnutzen. In einem Experiment von David Strohmetz im Jahr 2006 schenkten die Kellner ihren Gästen nach dem Essen Schokolade – so konnten sie ihr Trinkgeld im Schnitt um bis zu vier Prozent steigern.

Kann ich so nicht bestätigen. Das habe ich beim letzten Fasching ausprobiert (Fasching ist sowieso eine gute Gelegenheit um unkonventionelle Methoden auszuprobieren) und das Trinkgeld war sogar sehr überschaubar. Kam aber dennoch gut an. Hier muss man sich dann überlegen ob sich der Kauf der Süßigkeiten dann rentiert und außerdem gilt dann immer die Frage: Wohin damit? Gerade im Mercedes ist sowieso schon kaum Stauraum für eigene Gegenstände vorhanden.

9. Malen Sie Smileys auf die Rechnung:
Achtung, dieser Tipp gilt nur für Frauen. In einer Studie von Bruce Rind und Prashant Bordia aus dem Jahr 2006 erhielten Kellnerinnen fünf Prozent mehr Trinkgeld, wenn sie einen „Smiley“ auf die Rechnung zeichneten. Bei Kellnern hatte die Kritzelei einen gegenteiligen Effekt – ihr Trinkgeld sank um drei Prozent. Vermutlich fanden die Gäste es eher affig, wenn ein Mann ein lächelndes Gesicht malte. Frauen hingegen nahmen sie die Geste nicht übel – im Gegenteil.

Ein Taxifahrer stellt in den seltensten Fällen Rechnungen aus, allenfalls Quittungen und die gehen ans Finanzamt. Viele Taxiunternehmen verteilen aber firmeneigene Visitenkarten. Hier kann man beim Verteilen durchaus seinen Namen und einen Smiley aufbringen. Vielleicht bringt es ja was.

10. Bedanken Sie sich – schriftlich:
Dass Sie Ihren Gästen Dankbarkeit zeigen sollten, versteht sich von selbst. Doch laut einer Studie von Rind und Bordia aus dem Jahr 2006 bringt es etwas, diese auch schriftlich zu zeigen – indem Sie „Vielen Dank“ auf die Rechnung schreiben. In einem Experiment ließ diese kleine Geste das Trinkgeld um immerhin zwei Prozent steigen.

Siehe Punkt 9, wobei ich mir dann doch etwas blöd vorkommen würde, wenn ich auf die Visitenkarte noch „Danke“ draufschreiben würde. Stattdessen kommt ein „Bis zum nächsten Mal“ selbst in außerkonzessionellen Gebieten immer gut an. Allerdings sagt man das meist erst nach dem Bezahlvorgang. Vielleicht lenkt das aber von dem runtergefallenen Geldschein ab :D.

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2 Antworten zu Die Psychologie von Trinkgeld – Taxiedition

  1. SuperKellnerin schreibt:

    Ich verstehe inzwischen nicht mehr, warum keiner so richtig auf die persönliche Verbindung eingeht, die es aufzubauen gilt. Ich merke das jedenfalls immer. Wenn mir die Personen wichtig sind, dann ist auch meistens die Antwort viel positiver. Das gilt genauso auch für Trinkgeld und sonst aber auch für fast alle Situationen. Hier ist ein bisschen beschrieben, wie man das machen kann, kennt jemand eine etwas ausführlicher Quelle dazu? http://meintrinkgeld.de/mehr-trinkgeld-durch-wir-gefuehl/

  2. stefanprass schreibt:

    Da muss ich doch glatt mal meinen Senf zugeben.
    Zu 1: Um den Coolnessfaktor zu erhöhen, lohnt sich gerade bei Jugendlichen ein Leuchtstift, der seine Farben wechselt. Kann man beim nächsten Bulgarien- oder Türkeiurlaub im Dutzend mitbringen…

    Zu 2: Hier kommt es auf die Situation an, ob ich Stefan oder doch lieber Mike bin. Manchmal hat man nämlich Leute im Auto sitzen, die einem nichts Gutes wollen und das merkt man schnell. Denen vertraue ich bestimmt nicht meinen Namen an. ;-)

    Zu 3: Dazu fällt mir ein, dass man nicht immer auf Augenhöhe mit seinem Fahrgast sein will…

    Zu 4: Kann ich bestätigen. Eine Wiederholung ist aber immer praktisch, wenn die Straße in verschiedenen Ortschaften vorhanden ist. Ich sage nur Lindenstraße. ;-)

    Zu 5: Lächeln ist wohl der beste Trinkgeld-Bringer. Wobei man es nicht bei einem Lächeln belassen sollte. Was nützt es mir, eine ignorante aber lächelnde Spaßbremse zu sein?

    Zu 6: Kann ich auch bestätigen.

    Zu 7: Da kann ich auch nicht anders. Hier ist es hilfreich, früh auszuloten, wer die Fahrt bezahlt. Ist es die Frau, sollte man sich auf ihre Seite stellen. Ist es der Mann, schlägt man sich auf seine Seite.
    Auch das ignorieren eigener Vorlieben kann sehr Trinkgeldförderlich sein. Werder ist dann mal der beste Verein und Metallica macht die beste Musik (Radio laut!).

    Zu 8: Davon bin ich auch ab. Süßigkeiten an Bord sind Pflicht, aber die lagern an meiner Seite und werden nicht rausgeholt, wenn Fahrgäste an Bord sind. Die schnorren dann gerne und geben doch kein Trinkgeld. Ne, meine Lakritze gehört mir!

    Zu 9: Kann ich als Mann nicht beurteilen.

    Zu 10: Da hast Du vollkommen Recht! :-D

    Bleibt nur noch zu sagen, dass es auch immer am Fahrgast liegt. Wenn man einen Stiesel hat, dann kann man darauf wetten, dass das Trinkgeld mager ausfällt…

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